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Die Angst

Wenn wir wieder schlechte Nachrichten im Fernsehen hören, wenn der Partner zu schnell Auto fährt (und wir ausgerechnet noch daneben sitzen), wenn der Nachbar krank wird, dann fühlen wir sie: die Angst. Aus den unterschiedlichsten Gründen kann die alte Bekannte bei uns vorbeischauen. Sie kommt überraschend auf Besuch, oder sie hat sich schon in unserem Herzen eingenistet.

Tatsache ist, dass die Angst uns angeboren ist. Sie gehört zu den Instinktreaktionen und ist überlebensnotwendig. Es wurden Versuche unternommen mit einigen Wochen alten Affenbabys, die in Gefangenschaft geboren waren. Man zeigte ihnen eine Schlangen – Attrappe aus Plastik, und die Babys reagierten panisch mit Schreien und Rückzug. Alle Affen-Babys reagierten so, obwohl sie noch nie eine Schlange gesehen hatten. Der Körper reagiert also mit Angst, und wir haben wenig Einfluss darauf.

Verantwortlich dafür ist der Sympathikus, das ist unser Fluchtnerv. Er zieht sich vom Halswirbel C3 runter zum Lendenwirbel L2/3 an der Wirbelsäule entlang, und innerviert über die verschiedenen Abzweigungen unsere wichtigsten Organsysteme. Wenn der Sympathikus aktiviert wird, dann erhöht sich unsere Atem – und Pulsfrequenz, der Magen-Darm Trakt, die Blase und Geschlechtsorgane werden weniger durchblutet (weshalb chronischer Dauerstress auch die Lust auf Sex geringer werden lässt), Blut wird vermehrt in die Muskulatur, das Herz und die Lunge geleitet (nicht ins Hirn, deswegen ist bei Panik unser Denkvermögen verringert), und die Herzkranzgefäße und Bronchien sind erweitert. Auch unsere Pupillen werden auf weit gestellt. Nun sind wir in der Lage, uns todesmutig dem nächsten Säbelzahntiger zu stellen, oder unsere Beine in die Hand zu nehmen und um unser Leben zu laufen. Was sich hier lustig anhört, ist aber tatsächlich der Sinn der ganzen Sache, denn der Sympathikus wird nicht umsonst der „Flucht-und Kampfnerv“ genannt.

Es gibt bestimmte psychologische Strukturen, die von vorn herein anfälliger für die Angst machen: der introvertierte, melancholische Mensch ist leichter und schneller betroffen, als der extrovertierte Choleriker. Eine ständige Ausschüttung von Adrenalin (ein Stresshormon, was in der Nebennierenrinde produziert wird), steigert die Anfälligkeit für Angstzustände. Das ist z.B. bei Dauerstress im Beruf der Fall, auch bei Mobbing - Attacken, oder bei Dauerbelastungen privater Art (chronische Erkrankungen naher Angehöriger, Scheidungssituation, etc…). So mag es sein, dass zu der ständigen Belastung von außen einem auch noch Angstattacken das Leben erschweren.

Es gibt die verschiedensten Arten von Ängsten: Platzangst, Spinnenangst, Lampenfieber, Hundeangst, Höhenangst, Flugangst etc. Die Liste könnte Seitenlang fortgesetzt werden.
Und genauso vielfältig sind auch die Behandlungsmöglichkeiten.

Psychologisch:

  1. Die Verhaltenstherapie. Hier wird ein eingeschliffenes Fehlverhalten wieder verlernt, mit langsamer, kontrolliert gesteigerter Konfrontation mit dem Reiz. Sehr bekannt sind hierbei die Spinnenphobien, wobei der Patient ganz langsam und vorsichtig an den auslösenden Reiz heran geführt wird. Erst wird über Spinnen geredet, dann werden dem Patienten Bilder von Spinnen gezeigt. Zuerst einfache, dann immer detailliertere Bilder. Als nächstes kommen Spinnenattrappen auf den Tisch, die er dann auch schon mal anfassen kann. Zu guter Letzt lernt der Patient, eine Spinne zu berühren, und sie evtl. auf sich herumkrabbeln zu lassen. Man kann den auslösenden Reiz nun beliebig ersetzen, seien es Hunde, Insekten, Schlangen, sei es die Angst vor dem Fliegen, vor engen Räumen, vor weiten Räumen, etc. Immer wird der Patient langsam an seine Angst geführt, gewöhnt sich an der Reiz, und lernt ihn zu überwinden. Die Aussicht auf Heilung einer solchen Phobie sind relativ hoch. Erfolgschancen sind hier bei 70 – 80 % anzusiedeln.
  2. NLP (Neurolinguistisches Programmieren): Hier wird die Angst durch gesteuerte Vorstellungen wieder gelöscht.
  3. Logotherapie (paradoxe Intension): Eine sehr eigene Art, mit der Angst fertig zu werden: dem Patienten wird beigebracht, sich die Angst herbeizuwünschen: vor allem bei  nichtdinglichen Ängsten wie Platzangst, Schreibangst, Angst vor Dunkelheit etc. Mann wünscht sich die Angst herbei: „Hoffentlich kommt sie bald, so komme jetzt, gleich kommt sie die Angst, bitte, bitte komm jetzt. Und kurioserweise passiert eben genau: Nichts. Je mehr man sich die Angst herbeiwünscht, desto weniger kommt sie.
  4. Kinesiologie (mit Methode nach Callaghan): Durch Beklopfen von bestimmten Akupunkturpunkten an den Meridianen an Hand, unterhalb der Augen und am zweiten Zeh, und gleichzeitiger Vorstellung der Angstsituation soll die Angst gelöscht werden. Das Ganze soll äußerst wirksam sein.
  5. Bachblüten: Die von dem englischen Arzt entdeckten Blütenheilmittel wirken auf der feinstofflichen Ebene. Sie werden in homöopathischer Verdünnung eingenommen. Ich konnte mich selber oft genug von der Wirksamkeit der Blüten überzeugen, z.B. bei konkreten Ängsten wie Prüfungsangst (Mimulus), allgemeiner Angst (Aspen) oder auch in akuten Schocksituationen (Star of Bethlehem, Rescue).
  6. Phytotherapie: Aufgrund der Anspannung des Körpers bei Angst können hier die selben Heilkräuter verwendet werden, wie bei Stress, Einschlafstörungen und Depressionen: Johanniskraut, Melisse, Passionsblume, Schlafmohn, Lavendel, Baldrian. Alle diese Kräuter haben eine entspannende Wirkung auf den Organismus und aktivieren den Parasympathikus ( der Gegenspieler des Sympathikus; auch Ruhenerv genannt)
  7. Homöopathie: Argentum Nitricum bei Höhenangst, Phosphor bei Angst vor Dunkelheit oder Gewitter, Gelsemium bei Lampenfieber, wenn die Knie schlottern, Aconitum bei Sterbensangst auch Platzangst, Sulfur, wenn man einfach Hilfe braucht, und kein anderes Mittel zu helfen scheint.

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